Volksballaden reloaded

Ritter Heinrich

Heinrich hat eben eine reiche Frau geheiratet. Es plagt ihn jedoch das schlechte Gewissen gegenüber seiner früheren, verstorbenen Geliebten. Diese erscheint ihm als Geist.

Heinrich schlief bei seiner Neuvermählten,

Einer reichen Erbin an dem Rhein.

Schlangenbisse, die den Falschen quälten,

Liessen ihn nicht ruhig schlafen ein.

Zwölf Uhr schlugs, da trat durch die Gardinen

Plötzlich eine weisse, kalte Hand.

Was erblickte er? Seine Wilhelmine,

Die im Sterbekleide vor ihm stand.

„Zittre nicht,“ sprach sie mit leiser Stimme,

„Eh’ mals mein Geliebter, zittre nicht.

Ich erscheine nicht vor dir im Grimme,

Deiner neuen Liebe fluch’ ich nicht!

„Unglück hat zwar mein junges Leben

Als zum Tode völlig abgekürzt.

Tugend hat mir Kraft genug gegeben,

Dass ich nicht zur Hölle bin gestürzt.

„Weine nicht, denn eine Welt wie diese

Ist der Tränen, die du weinst, nicht wert!

Sei vergnügt und treu dem Mädchen,

Das du dir zur Gattin hast erwählt!

„Lebe heiter und froh auf Erden,

Bis die Seele vor dem Throne steht,

Wo du einstens Rechenschaft musst geben

Von dem Mädchen, das du hast verschmäht.“

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